WDVS-Fassade streichen: Was Sie bei Wärmedämmverbundsystemen beachten müssen
Über 60 % aller Schweizer Neubauten der letzten 20 Jahre tragen ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS). Diese Fassaden sehen aus wie klassischer Verputz, verhalten sich aber komplett anders – wer das ignoriert, beschädigt die Dämmung oder zerstört den Anstrich nach wenigen Jahren.
Was ist ein WDVS überhaupt?
Ein Wärmedämmverbundsystem besteht aus einer auf das Mauerwerk geklebten Dämmplatte (EPS, Mineralwolle oder Holzfaser), darüber eine armierte Spachtelschicht mit Glasfasergewebe und schliesslich der eigentliche Oberputz. Die Gesamtdicke beträgt typischerweise 12 bis 26 cm. Anders als ein massiver Putz auf Backstein ist die Oberfläche eines WDVS dünn, leicht und anfällig für Hagel, Spechte und mechanische Belastungen.
Warum bilden sich auf WDVS so schnell Algen?
Die dünne Aussenschicht eines WDVS hat keine thermische Speichermasse. Nachts kühlt sie schnell auf Aussentemperatur ab und bleibt unter dem Taupunkt – Wasser kondensiert auf der Oberfläche. Algen lieben diese Bedingungen. Schon nach 5–8 Jahren sind grünliche oder rötliche Verfärbungen typisch, vor allem an Nord- und Ostfassaden im Schweizer Mittelland.
Welche Farbe darf auf ein WDVS?
Wichtig ist eine hohe Wasserdampfdurchlässigkeit (sd-Wert ≤ 0.14 m). Geeignet sind Silikonharzfarben mit Algizid-Zusatz oder spezielle Reinacrylat-Beschichtungen. Reine Silikatfarben sind nur auf mineralischen WDVS-Putzen freigegeben – nicht auf Kunstharzputzen. Lassen Sie sich bei Unsicherheit das Datenblatt des bestehenden Systems vom Hersteller bestätigen.
Hellbezugswert beachten – sonst Risse!
Dunkle Farbtöne erwärmen sich auf einem WDVS bis zu 80 °C. Diese thermischen Spannungen führen unweigerlich zu Rissen in der dünnen Aussenschicht. Faustregel: Der Hellbezugswert (HBW) muss über 25 liegen, in besonders sonnenexponierten Lagen über 30. Modernere 'Cool Pigments' erlauben in begrenztem Umfang dunklere Optik.
Wie reinigt man ein WDVS richtig?
Niemals Hochdruck! Schon 80 bar genügen, um den Oberputz aufzuweichen. Wir arbeiten mit maximal 30 bar Niederdruck und biologisch abbaubaren Algiziden, die 24 Stunden einwirken und dann sanft abgespült werden. Anschliessend Hydrophobierung und 2 Anstriche – Standardvorgehen für nachhaltigen Schutz.
Wann lohnt sich der Anstrich, wann ein Komplett-Refresh?
Bei reinem Algenbefall reicht Reinigung + Anstrich. Bei sichtbaren Rissen, Hohlstellen oder Spechtschäden ist eine partielle Sanierung mit Armierungsspachtel nötig. Ist das gesamte System mehr als 30 Jahre alt, lohnt oft eine Aufdoppelung mit zusätzlicher Dämmplatte – das senkt die Heizkosten gleich mit.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich ein WDVS selber streichen? +
Eher nein. Sie brauchen das passende, freigegebene Farbsystem, eine fachgerechte Reinigung mit Algizid und sicheres Arbeiten am Gerüst. Ein falsches Produkt löst innerhalb weniger Jahre Abblättern oder Risse aus.
Wie oft muss ein WDVS gestrichen werden? +
Im Schweizer Mittelland alle 10–12 Jahre, an feuchten Lagen (See, Fluss) alle 7–9 Jahre. Eine zusätzliche Hydrophobierung verlängert die Standzeit deutlich.
Wie viel kostet das Streichen eines WDVS? +
CHF 45.– bis CHF 70.– pro m² inkl. schonender Reinigung, Hydrophobierung und 2 Anstrichen mit algizider Silikonharzfarbe.
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